Auf dem Tagesgeldkonto, bei der Hausbank, in der eigenen Immobilie oder in einem einzelnen Depot – mein Ansatz ist ein anderer, und er ist alles andere als neu. Schon im Talmud, vor rund 1.500 Jahren aufgeschrieben, steht eine einfache Empfehlung: Man soll sein Vermögen stets in drei Teile teilen – ein Drittel in Land, ein Drittel in Handelsware, ein Drittel zur Hand. Diese Idee ist die Grundlage meiner Drei-Speichen-Regel. Ich habe sie für heute übersetzt.
Die erste Speiche sind Immobilien, Grundstücke und Wald. Sie stehen für Substanz. Eine vermietete Wohnung bringt laufende Einnahmen, Mieten steigen langfristig meist mit der Inflation, und Grund und Boden lässt sich nicht beliebig vermehren. Dafür sind Immobilien wenig flexibel: Ein Verkauf dauert, und Finanzierung, Instandhaltung und Leerstand gehören zum Risiko dazu.
Die zweite Speiche sind Edelmetalle und andere Handelswaren. Gold und Silber sind seit Jahrtausenden ein Wertspeicher, unabhängig von einzelnen Banken oder Staaten, und physisch in deinem Besitz. Sie bringen keine Zinsen und schwanken im Preis. Ihre Aufgabe ist eine andere: Sie sollen die Kaufkraft erhalten, gerade dann, wenn andere Anlagen unter Druck geraten. Gewinne aus physischem Gold und Silber sind in Deutschland nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerfrei.
Die dritte Speiche sind Aktien und unternehmerische Beteiligungen. Hier arbeitet das Kapital, so wie früher die Handelsware im Geschäft des Kaufmanns. Unternehmen schaffen Werte, schütten Gewinne aus und können steigende Kosten oft an ihre Kunden weitergeben. Dafür schwanken Aktienkurse deutlich, und einzelne Unternehmen können scheitern. Moderne Anlageklassen wie Bitcoin ordne ich als bewusst begrenzte Beimischung ein – nie als Fundament.
Der Kern der Regel ist nicht die Zahl drei, sondern dass jede Speiche anders auf Krisen reagiert. Steigt die Inflation, profitieren Sachwerte, während Erspartes an Kaufkraft verliert. Bricht die Börse ein, halten Gold und vermietete Immobilien oft stand. Steigen die Zinsen, geraten Immobilien unter Druck, während andere Bausteine stabil bleiben. Ein Rad mit nur einer Speiche bricht beim ersten Schlagloch. Ein Rad mit drei Speichen läuft weiter, auch wenn eine einmal nachgibt.
Wichtig ist mir: Die Drei-Speichen-Regel ist eine Orientierung, kein starres Drittel-Schema. Ein 30-jähriger Angestellter, der gerade Vermögen aufbaut, braucht eine andere Gewichtung als eine 60-jährige Unternehmerin, die ihr Vermögen erhalten will. Wer schon eine selbstgenutzte Immobilie besitzt, hat die erste Speiche vielleicht bereits stark besetzt. Und eine Liquiditätsreserve für unerwartete Ausgaben gehört immer dazu. Deshalb beginnt jede Zusammenarbeit mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Welche Speiche ist überladen, welche fehlt ganz?